2018

  • Preis

    <p>Die Trophäen 2018 von Zuzanna Czebatul</p>

    Die Trophäen 2018 von Zuzanna Czebatul

    Ein Jubiläum – der Berlin Art Prize fand 2018 zum fünften Mal statt. Vom 31. August bis zum 28. September war die Ausstellung mit den Arbeiten aller Nominierten in Kreuzberg zu sehen. Die Trophäe für die drei GewinnerInnen gestaltete die Künstlerin Zuzanna Czebatul. Ihre unverkennbare Form ist Anspielung auf die noch immer männlich dominierte Kunstwelt, zugleich sind die Trophäen “in den Farben der beliebtesten Eiscremesorten der Sechzigerjahre” gestaltet, wie Czebatul selbst beschreibt. Am 28. September um Mitternacht wurden sie an die drei Gewinnerinnen während einer öffentlichen Verleihungszeremonie überreicht. Neben der Trophäe und einem Preisgeld erhielten die drei Gewinnerinnen eine Einladung zu einer vierwöchigen Residency in Marrakesch, Marokko, die das Team des Berlin Art Prize in Kollaboration mit dem Queens Collective organisiert.

    Die fünfte Ausgabe des Berlin Art Prize wurde großzügig vom Hauptstadtkulturfonds unterstützt.

  • Jury

    Pauline Doutreluingne
    (Kuratorin)
    Övül Ö. Durmușoǧlu
    (Kritikerin, Kuratorin)
    Philipp Ekardt
    (Theoretiker, Kritiker)
    Michaela Melián
    (Künstlerin, Musikerin)
    Johannes Paul Raether
    (Künstler)

  • Gewinner

    Monika Grabuschnigg

    Monika Grabuschniggs Arbeiten behaupten sich in der direkten Begegnung im Raum genauso souverän wie auf dem Bildschirm, auf dem ihre digitalen Bilder zirkulieren. In fleischigem Rosa und mit den Spuren der manuellen Herstellung versehen, sind ihre an surrealistisches Inventar erinnernden stelenartigen Plastiken Körper und Zeichen in der digital/analogen Welt: Materie wird hier nicht zum Vorwand einer plumpen Rhetorik der “Widerständigkeit”, die sich angeblich der Digitalisierung entzieht, sondern macht den souveränen Sprung auf den Screen. Im Close-Up wird die Fleischfarbe dann wieder anders: bonbonfarben, glasiert. Eine Menge mit Lippenstift bewaffneter Münder spucken Schaum, den der Keramik-Pumpen-‚Organismus wieder schluckt, um ihn in Richtung Mund zu pumpen. Ein ganz klassischer Brunnen wird so zum Objekt, das die Möglichkeiten und Sichtbarkeiten von Skulptur in unserer digital/analogen Welt veranschaulicht: von der sich aus den zirkulierenden Flüssigkeiten immer neu wieder aufbauenden Schaumstruktur zu den fleshy/flashy Mündern. Von der Galerie aufs Smartphone und zurück. – aus dem Statement der Jury

     

    Alanna Lynch

    Alanna Lychn erforscht mutig und tiefgehend sozial unbequeme Themen. Sie macht ihren eigenen Urin und ihr eigenes Haar zum Gegenstand ihrer Kunst, und vollbringt es, mit diesen Artefakten ihres Körpers Rasse und Geschlecht zu dekonstruieren. Lynchs archivarisch angelegte Arbeit wirft einen Blick auf verinnerlichte Hierarchien durch verschiedene Perspektiven. Sie beteiligt die Zuschauer aktiv und konfrontiert sie mit ihren eigenen menschlichen Tabus, indem sie diese Dinge riechen und berühren lässt, von denen wir uns normalerweise abwenden. Lynch bringt einen dazu, sich selbst und anderen Personen – allein durch das Ertasten und Erblicken von so etwas Natürlichem wie dem Haar – zu begegnen und veranlasst eine “gespürte” Untersuchung von Unterschieden und Gemeinsamkeiten.  – aus dem Statement der Jury

     

    Doireann O’Malley

    “Our weapons of magic are made within our bodies and they show themselves when among the alien gods we are.” Ein Ausspruch, inspiriert von Kriegliedern der Navajo,  und von O’Malley’s anspruchsvollem Filmwerk. Ihre Arbeit Prototypes ist klar, merkwürdig verhalten und fragil zur gleichen Zeit – dennoch erzählt O’Malley von diesen magischen Waffen, die im Inneren unseres Körpers die Zukunft beinhalten. Ist es möglich, über diese Körper, über unsere Körper, zu sprechen ohne sich dem Geschlecht oder der Geschlechtlosigkeit als kulturelles Kapital zu verwehren? Die Fluidität der Körper fordert selbst die modernistische Utopie der Zukunft heraus, ganz gleich ob sie sich in dem abspielt, was Vergangenheit oder was Zukunft genannt wird. In Prototypes offenbart sich Doireann O’Malley als außergewöhnliche Erzählerin, als risikobereit und als tiefgehend besorgt um die Geschichten anderer. Denen hat sie sich verschrieben. – aus dem Statement der Jury

     

    Honorable Mention
    Ana Alenso

    Ana Alensos beschäftigt sich in ihrer Installation 1.000.000% auf ergreifende Weise mit dem Scheitern und der Ungleichheit des kapitalistischen Systems. Auf die enorme humanitäre Krise ihres Heimatlandes Venezuela blickend, kreiert sie eine starke Installation, die die Komplexität und Absurdität der Krise durch den Materialfluss und die Zerstörungskraft von Kapital und Öl verkörpern. – aus dem Statement der Jury

    Fotos: Anastasia Muna, Filmstill: Doireann O’Malley

  • Nominierte

  • Ausstellung

    • <p>Installationsansicht Markues, Foto: Anastasia Muna</p> 01 of 11

      Installationsansicht Markues, Foto: Anastasia Muna

    • <p>Installationsansicht Nina Kurtela, Foto: Anastasia Muna</p> 02 of 11

      Installationsansicht Nina Kurtela, Foto: Anastasia Muna

    • <p>Installationsansicht Arthur Debert, Foto: Anastasia Muna</p> 03 of 11

      Installationsansicht Arthur Debert, Foto: Anastasia Muna

    • <p>Installationsansicht Lorenzo Sandoval, Foto: Anastasia Muna</p> 04 of 11

      Installationsansicht Lorenzo Sandoval, Foto: Anastasia Muna

    • <p>Installationsansicht mit Arbeiten von Ana Alenso und Nina Kurtela, Foto: Anastasia Muna</p> 05 of 11

      Installationsansicht mit Arbeiten von Ana Alenso und Nina Kurtela, Foto: Anastasia Muna

    • <p>Installationsansicht Lorenzo Sandoval, Foto: Anastasia Muna</p> 06 of 11

      Installationsansicht Lorenzo Sandoval, Foto: Anastasia Muna

    • <p>Installationsansicht Monika Grabuschnigg, Foto: Anastasia Muna</p> 07 of 11

      Installationsansicht Monika Grabuschnigg, Foto: Anastasia Muna

    • <p>Installationsansicht Alanna Lynch, Foto: Anastasia Muna</p> 08 of 11

      Installationsansicht Alanna Lynch, Foto: Anastasia Muna

    • <p>Installationsansicht Arthur Debert, Foto: Anastasia Muna</p> 09 of 11

      Installationsansicht Arthur Debert, Foto: Anastasia Muna

    • <p>Installationsansicht Nina Wiesnagrotzki, Foto: Anastasia Muna</p> 10 of 11

      Installationsansicht Nina Wiesnagrotzki, Foto: Anastasia Muna

    • <p>Installationsansicht, Doireann O’Malley, <em>Prototypes I, </em>2017, Foto: Anastasia Muna</p> 11 of 11

      Installationsansicht, Doireann O’Malley, Prototypes I, 2017, Foto: Anastasia Muna

    Die Ausstellung mit den Arbeiten aller Nominierten war vom 31. August bis zum 28. September 2018 in den Räumen von The Shelf, der ehemaligen Garage des Autoverleihs Robben&Wientjes, in Kreuzberg zu sehen.

  • Programm

    • <p><b>How Do We Survive Spaces We Were Never Meant To Enter?<br /></b><b>Diskussion </b>mit Isaiah Lopaz (Künstler/Autor) und Rachael Moore (Aktivistin/Performerin)</p><p>Rachael Moore und Isaiah Lopaz diskutierten über die Herausforderungen und Erfahrungen, denen People of Color (POC) bei der Arbeit für Kunst- und Kulturinstitutionen gegenüberstehen: unethische Arbeitsbedingungen, Tokenismus, rassistische Vorurteile und die signifikante Abwesenheit von POC im Publikum und in der Verwaltung von öffentlichen und privaten Institutionen.</p> 01 of 11

      How Do We Survive Spaces We Were Never Meant To Enter?
      Diskussion mit Isaiah Lopaz (Künstler/Autor) und Rachael Moore (Aktivistin/Performerin)

      Rachael Moore und Isaiah Lopaz diskutierten über die Herausforderungen und Erfahrungen, denen People of Color (POC) bei der Arbeit für Kunst- und Kulturinstitutionen gegenüberstehen: unethische Arbeitsbedingungen, Tokenismus, rassistische Vorurteile und die signifikante Abwesenheit von POC im Publikum und in der Verwaltung von öffentlichen und privaten Institutionen.

    • <p><b>Das gesamte Buch </b><b><i>so schön</i></b><b> von Ronald Schernikau<br /></b><b>Lesung </b>mit Tucké Royale (Performer, Autor) und Jörg Sundermeier vom Verbrecher Verlag</p><p>In der Ausstellung des Berlin Art Prize zeigte Markues einen Fallschirm, in den ein Zitat aus <i>und als der prinz mit dem kutscher tanzte waren sie so schön, daß der ganze hof in ohnmacht viel. ein utopischer film</i> von Ronald M. Schernikau eingearbeitet ist. Im Buch heisst es: “dieser film erzählt von vier jungen menschen, die versuchen, ihre liebe zu organisieren. ihr problem ist, daß ihre liebe längst organisiert ist. ihre liebe ist organisiert in ausschließlichkeit, in notwehr und zweisamkeit.” Tucké Royale las den ganzen, im Verbrecher Verlag erschienenen Text. Drei Stunden Schernikau unter Fallschirmen.</p> 02 of 11

      Das gesamte Buch so schön von Ronald Schernikau
      Lesung mit Tucké Royale (Performer, Autor) und Jörg Sundermeier vom Verbrecher Verlag

      In der Ausstellung des Berlin Art Prize zeigte Markues einen Fallschirm, in den ein Zitat aus und als der prinz mit dem kutscher tanzte waren sie so schön, daß der ganze hof in ohnmacht viel. ein utopischer film von Ronald M. Schernikau eingearbeitet ist. Im Buch heisst es: “dieser film erzählt von vier jungen menschen, die versuchen, ihre liebe zu organisieren. ihr problem ist, daß ihre liebe längst organisiert ist. ihre liebe ist organisiert in ausschließlichkeit, in notwehr und zweisamkeit.” Tucké Royale las den ganzen, im Verbrecher Verlag erschienenen Text. Drei Stunden Schernikau unter Fallschirmen.

    • <p><b>/Common Wages/Common People/<br /></b><b>Lesung </b>mit den Autorinnen Aurelia Guo, Rin Johnson, Alice Miller, Darling Fitch, Hannah Gregory, Susan Finlay, Sarah Harrison und Bianca Heuser in Zusammenarbeit mit Arcadia Missa Publishing,<strong> Musik</strong> von Paul Arambula</p><p>Eine Gruppe junger AutorInnen eröffnete über verschiedene Textformen und Genres hinweg die Frage, welche Bedeutung Gemeinschaft und Gemeingut (Englisch zusammenfassend „Commons”) in einem zeitgenössischen Kontext besitzen. Anstatt die Antwort in einem einfachen „Common Ground” zu suchen, näherten sich den „Commons” von unterschiedlichen Perspektiven aus und dachten dabei über individuelle Erfahrungen oder kulturelle Zusammenhänge nach.</p> 03 of 11

      /Common Wages/Common People/
      Lesung mit den Autorinnen Aurelia Guo, Rin Johnson, Alice Miller, Darling Fitch, Hannah Gregory, Susan Finlay, Sarah Harrison und Bianca Heuser in Zusammenarbeit mit Arcadia Missa Publishing, Musik von Paul Arambula

      Eine Gruppe junger AutorInnen eröffnete über verschiedene Textformen und Genres hinweg die Frage, welche Bedeutung Gemeinschaft und Gemeingut (Englisch zusammenfassend „Commons”) in einem zeitgenössischen Kontext besitzen. Anstatt die Antwort in einem einfachen „Common Ground” zu suchen, näherten sich den „Commons” von unterschiedlichen Perspektiven aus und dachten dabei über individuelle Erfahrungen oder kulturelle Zusammenhänge nach.

    • <p><b>DIY Stinkbomben<br /></b><b>Workshop</b> mit Alanna Lynch (Nominierte für den Berlin Art Prize 2018)</p><p>Alanna Lynch zeigte, wie sich aus haushaltsüblichen Materialien und Sonne schwefelbasierte Stinkbomben herstellen lassen. Zusammen mit den TeilnehmerInnen diskutierte sie über den Geruchssinn und über das Vermögen von Düften, Raum einzunehmen oder Gefühle hervorzurufen.</p> 04 of 11

      DIY Stinkbomben
      Workshop mit Alanna Lynch (Nominierte für den Berlin Art Prize 2018)

      Alanna Lynch zeigte, wie sich aus haushaltsüblichen Materialien und Sonne schwefelbasierte Stinkbomben herstellen lassen. Zusammen mit den TeilnehmerInnen diskutierte sie über den Geruchssinn und über das Vermögen von Düften, Raum einzunehmen oder Gefühle hervorzurufen.

    • <p><strong>Vernissage Party</strong><br /><strong>DJ-Sets</strong> von Chloedees (NTS/UK), Yoni (Terry Radio/USA) und Abnama (REH/DE), Foto: Matthias Voelzke</p> 05 of 11

      Vernissage Party
      DJ-Sets von Chloedees (NTS/UK), Yoni (Terry Radio/USA) und Abnama (REH/DE), Foto: Matthias Voelzke

    • <p><b>Dreaming Trans-futurism and Reality Now<br /></b><b>Talk </b>mit Doireann O’Malley (Nominierte für den Berlin Art Prize 2018), Lou Drago (Autor, Kurator) und Pedro Marum (Kurator, Filmprogrammierer, DJ) von XenoEntitiesNetwork, Elliott Cennetoglu (Lichtgestalter), Pol Merchan (Künstler, Filmemacher), Mateja Hoffman (Fotografin, Stylistin, Performerin)</p><p>Regisseurin Doireann O’Malley sprach gemeinsam mit den Protagonistinnen und Mitarbeiterinnen von<i> Prototypes</i> über die Methoden, Themen, und Erfahrungen dieser komplexen Videoarbeit. Hauptfigur Lou Drago zu <i>Prototypes</i>: „Schon in den ersten Sekunden, wenn eine Stimme aus dem Off die vielartigen Zusammenstellungen von Chromosomen aufzählt, die Menschen besitzen können, ist man mit der Absurdität einer Reduktion von Geschlechtern auf ein binäres System konfrontiert. Einige dieser Konstellationen lassen sich nicht in eine limitierte Männlich-Weiblich-Kategorisierung einordnen. Es wird schnell klar, dass sehr viel dazugehört, möchte man die Komplexität von Geschlecht verstehen”.</p> 06 of 11

      Dreaming Trans-futurism and Reality Now
      Talk mit Doireann O’Malley (Nominierte für den Berlin Art Prize 2018), Lou Drago (Autor, Kurator) und Pedro Marum (Kurator, Filmprogrammierer, DJ) von XenoEntitiesNetwork, Elliott Cennetoglu (Lichtgestalter), Pol Merchan (Künstler, Filmemacher), Mateja Hoffman (Fotografin, Stylistin, Performerin)

      Regisseurin Doireann O’Malley sprach gemeinsam mit den Protagonistinnen und Mitarbeiterinnen von Prototypes über die Methoden, Themen, und Erfahrungen dieser komplexen Videoarbeit. Hauptfigur Lou Drago zu Prototypes: „Schon in den ersten Sekunden, wenn eine Stimme aus dem Off die vielartigen Zusammenstellungen von Chromosomen aufzählt, die Menschen besitzen können, ist man mit der Absurdität einer Reduktion von Geschlechtern auf ein binäres System konfrontiert. Einige dieser Konstellationen lassen sich nicht in eine limitierte Männlich-Weiblich-Kategorisierung einordnen. Es wird schnell klar, dass sehr viel dazugehört, möchte man die Komplexität von Geschlecht verstehen”.

    • <p><b>MOANEY: A Speculative Proposal for Support Structures<br /></b><b>Panel </b>mit Kate Brown (Ko-Direktorin von Ashley, Redakteurin bei Artnet), Maurin Dietrich (Autorin, Assistenzkuratorin KW Berlin), Cathrin Mayer (Assistenzkuratorin KW Berlin), Penny Rafferty (Autorin, Kuratorin), Chloe Stead (Autorin, Redakteurin, Kunstkritikerin)</p><p>Gentrifizierung und sozialer Ausschluss sind in Berlin zur Norm geworden. Der Boom experimentierfreudiger Galerien aus den frühen 1990er Jahren ist vorübergezogen, heute sind viele freie Projekte von damals entweder kommerzialisiert oder – von der wirtschaftlichen Plage befallen – sie mussten ganz schließen. Die Berliner Kunstwelt befindet sich in einer Krise und läuft Gefahr, ihre einzigartige, durch ihre Projekträume formulierte Perspektive und ihre lebendige antagonistische Haltung gegenüber der kulturellen Elite und einer populistischen Politik zu verlieren.</p><p>Das Panel zielte darauf ab, dieses Spektakel nicht als Prozess der Trauer um hedonistische Zeiten, sondern als Möglichkeit zum Handeln anzupacken. Rafferty, Mayer und Dietrich legten darin ein Protokoll an, in dem jede Institution, Sammlung und Galerie mitschuldig an dem Zustand der Stadt ist und dazu gezwungen wird, Infrastrukturen der Unterstützung, des Überlebens und der Radikalisierung in der Berliner Kreativszene zu schaffen und zu erhalten. – Penny Rafferty</p><p> </p> 07 of 11

      MOANEY: A Speculative Proposal for Support Structures
      Panel mit Kate Brown (Ko-Direktorin von Ashley, Redakteurin bei Artnet), Maurin Dietrich (Autorin, Assistenzkuratorin KW Berlin), Cathrin Mayer (Assistenzkuratorin KW Berlin), Penny Rafferty (Autorin, Kuratorin), Chloe Stead (Autorin, Redakteurin, Kunstkritikerin)

      Gentrifizierung und sozialer Ausschluss sind in Berlin zur Norm geworden. Der Boom experimentierfreudiger Galerien aus den frühen 1990er Jahren ist vorübergezogen, heute sind viele freie Projekte von damals entweder kommerzialisiert oder – von der wirtschaftlichen Plage befallen – sie mussten ganz schließen. Die Berliner Kunstwelt befindet sich in einer Krise und läuft Gefahr, ihre einzigartige, durch ihre Projekträume formulierte Perspektive und ihre lebendige antagonistische Haltung gegenüber der kulturellen Elite und einer populistischen Politik zu verlieren.

      Das Panel zielte darauf ab, dieses Spektakel nicht als Prozess der Trauer um hedonistische Zeiten, sondern als Möglichkeit zum Handeln anzupacken. Rafferty, Mayer und Dietrich legten darin ein Protokoll an, in dem jede Institution, Sammlung und Galerie mitschuldig an dem Zustand der Stadt ist und dazu gezwungen wird, Infrastrukturen der Unterstützung, des Überlebens und der Radikalisierung in der Berliner Kreativszene zu schaffen und zu erhalten. – Penny Rafferty

       

    • <p><strong>365 routines</strong><br /><strong>Tanzperformance </strong>mit Nina Kurtela (Nominierte für den Berlin Art Prize 2018)</p><p>Mit <i>365 routines</i> entwickelten die Künstlerin und Tänzerin Nina Kurtela und ihre langjährige Tanzpartnerin Hana Erdman eine Konzeptarbeit, die auf einer einzigen getanzten Phrase basiert: ein kurzes choreografisches Fragment mit Anfang und Ende, acht Schläge lang bei 60 Schlägen pro Minute. Im Laufe eines Jahres schickten sich Kurtela und Erdmann täglich per Handyvideo eine solche Phrase zu. Da beide fast ständig auf Reisen waren, fanden sie sich oft auf verschiedenen Erdhalbkugeln wieder, dabei wurde <em>365 routines</em> zu einer der wenigen Konstanten in ihrem globalem Leben. Kurtela zeigt die hintereinander geschnittenen Videoaufnahmen von <em>365 routines</em> in der vierwöchigen Ausstellung des Berlin Art Prize als große Wandprojektion. Während dieser Veranstaltung performte sie die projizierte Choreografie life in der Videoinstallation.</p> 08 of 11

      365 routines
      Tanzperformance mit Nina Kurtela (Nominierte für den Berlin Art Prize 2018)

      Mit 365 routines entwickelten die Künstlerin und Tänzerin Nina Kurtela und ihre langjährige Tanzpartnerin Hana Erdman eine Konzeptarbeit, die auf einer einzigen getanzten Phrase basiert: ein kurzes choreografisches Fragment mit Anfang und Ende, acht Schläge lang bei 60 Schlägen pro Minute. Im Laufe eines Jahres schickten sich Kurtela und Erdmann täglich per Handyvideo eine solche Phrase zu. Da beide fast ständig auf Reisen waren, fanden sie sich oft auf verschiedenen Erdhalbkugeln wieder, dabei wurde 365 routines zu einer der wenigen Konstanten in ihrem globalem Leben. Kurtela zeigt die hintereinander geschnittenen Videoaufnahmen von 365 routines in der vierwöchigen Ausstellung des Berlin Art Prize als große Wandprojektion. Während dieser Veranstaltung performte sie die projizierte Choreografie life in der Videoinstallation.

    • <p><b>How to breathe in a bubble?</b><b><br /></b><b>Experimentelles Panel zur Stadtentwicklung </b>mit Marco Schmitt (Performancekünstler und systemischer Coach), Martin Schwegmann (Stadtforscher und Atelierbeauftragter des bbk), Zoe Claire Miller (Künstlerin, Mitgründerin Berlin Art Prize, Sprecherin bbk berlin), Andreas Krüger (Belius GmbH),  Alexandra von Stosch (Artprojekt Unternehmensgruppe), Cornelia Wagner (Oranostra Verbund), Sandra Meireis (freie Architekturtheoretikerin), MdA Katalin Gennburg (Sprecherin für Stadtentwicklung, Tourismus und Smart City, Die Linke), Sven Lemiss (Geschäftsführung BIM)</p><p><i>“Everything is gentrification now” but Richard Florida isn’t sorry</i>. Die Stadt wird teurer und enger, manche gewinnen daraus, andere verlieren. Marco Schmitt versuchte an diesem Abend den sozioökonomischen Komplex von Gentrifizierung am Beispiel von Kreuzberg mit Beteiligten der Kunst, Politik und Bauwirtschaft in einer von ihm entwickelten Methode des COA CHING zu entwirren. Dabei brachte er von Betroffenen und Verantwortlichen gleichsam in Erfahrung, welche (moralischen) Handlungsspielräume möglich sind, wenn der urbane Raum von Preisdruck und Knappheit eingeholt wird.</p> 09 of 11

      How to breathe in a bubble?
      Experimentelles Panel zur Stadtentwicklung mit Marco Schmitt (Performancekünstler und systemischer Coach), Martin Schwegmann (Stadtforscher und Atelierbeauftragter des bbk), Zoe Claire Miller (Künstlerin, Mitgründerin Berlin Art Prize, Sprecherin bbk berlin), Andreas Krüger (Belius GmbH),  Alexandra von Stosch (Artprojekt Unternehmensgruppe), Cornelia Wagner (Oranostra Verbund), Sandra Meireis (freie Architekturtheoretikerin), MdA Katalin Gennburg (Sprecherin für Stadtentwicklung, Tourismus und Smart City, Die Linke), Sven Lemiss (Geschäftsführung BIM)

      “Everything is gentrification now” but Richard Florida isn’t sorry. Die Stadt wird teurer und enger, manche gewinnen daraus, andere verlieren. Marco Schmitt versuchte an diesem Abend den sozioökonomischen Komplex von Gentrifizierung am Beispiel von Kreuzberg mit Beteiligten der Kunst, Politik und Bauwirtschaft in einer von ihm entwickelten Methode des COA CHING zu entwirren. Dabei brachte er von Betroffenen und Verantwortlichen gleichsam in Erfahrung, welche (moralischen) Handlungsspielräume möglich sind, wenn der urbane Raum von Preisdruck und Knappheit eingeholt wird.

    • <p><strong>Preisverleihung</strong></p><p>Am 28. September wurden in einer feierlichen und öffentlichen Verleihung die drei GewinnerInnen des Berlin Art Prize bekanntgegeben, Foto André Wunstorf</p> 10 of 11

      Preisverleihung

      Am 28. September wurden in einer feierlichen und öffentlichen Verleihung die drei GewinnerInnen des Berlin Art Prize bekanntgegeben, Foto André Wunstorf

    • <p><strong>Afterparty Finissage</strong></p><p>mit DJ-Sets von Judith Grasser, Rugilė, Walter Daniel und Marlene Stark auf Einladung von Superposition, Foto: André Wunstorf</p> 11 of 11

      Afterparty Finissage

      mit DJ-Sets von Judith Grasser, Rugilė, Walter Daniel und Marlene Stark auf Einladung von Superposition, Foto: André Wunstorf