HELLOOOO

( Gewinner )

Monika Grabuschnigg

Monika Grabuschniggs Arbeiten behaupten sich in der direkten Begegnung im Raum genauso souverän wie auf dem Bildschirm, auf dem ihre digitalen Bilder zirkulieren. In fleischigem Rosa und mit den Spuren der manuellen Herstellung versehen, sind ihre an surrealistisches Inventar erinnernden stelenartigen Plastiken Körper und Zeichen in der digital/analogen Welt: Materie wird hier nicht zum Vorwand einer plumpen Rhetorik der “Widerständigkeit”, die sich angeblich der Digitalisierung entzieht, sondern macht den souveränen Sprung auf den Screen. Im Close-Up wird die Fleischfarbe dann wieder anders: bonbonfarben, glasiert. Eine Menge mit Lippenstift bewaffneter Münder spucken Schaum, den der Keramik-Pumpen-‚Organismus wieder schluckt, um ihn in Richtung Mund zu pumpen. Ein ganz klassischer Brunnen wird so zum Objekt, das die Möglichkeiten und Sichtbarkeiten von Skulptur in unserer digital/analogen Welt veranschaulicht: von der sich aus den zirkulierenden Flüssigkeiten immer neu wieder aufbauenden Schaumstruktur zu den fleshy/flashy Mündern. Von der Galerie aufs Smartphone und zurück. – aus dem Statement der Jury

 

Alanna Lynch

Alanna Lychn erforscht mutig und tiefgehend sozial unbequeme Themen. Sie macht ihren eigenen Urin und ihr eigenes Haar zum Gegenstand ihrer Kunst, und vollbringt es, mit diesen Artefakten ihres Körpers Rasse und Geschlecht zu dekonstruieren. Lynchs archivarisch angelegte Arbeit wirft einen Blick auf verinnerlichte Hierarchien durch verschiedene Perspektiven. Sie beteiligt die Zuschauer aktiv und konfrontiert sie mit ihren eigenen menschlichen Tabus, indem sie diese Dinge riechen und berühren lässt, von denen wir uns normalerweise abwenden. Lynch bringt einen dazu, sich selbst und anderen Personen – allein durch das Ertasten und Erblicken von so etwas Natürlichem wie dem Haar – zu begegnen und veranlasst eine “gespürte” Untersuchung von Unterschieden und Gemeinsamkeiten.  – aus dem Statement der Jury

 

Doireann O’Malley

“Our weapons of magic are made within our bodies and they show themselves when among the alien gods we are.” Ein Ausspruch, inspiriert von Kriegliedern der Navajo,  und von O’Malley’s anspruchsvollem Filmwerk. Ihre Arbeit Prototypes ist klar, merkwürdig verhalten und fragil zur gleichen Zeit – dennoch erzählt O’Malley von diesen magischen Waffen, die im Inneren unseres Körpers die Zukunft beinhalten. Ist es möglich, über diese Körper, über unsere Körper, zu sprechen ohne sich dem Geschlecht oder der Geschlechtlosigkeit als kulturelles Kapital zu verwehren? Die Fluidität der Körper fordert selbst die modernistische Utopie der Zukunft heraus, ganz gleich ob sie sich in dem abspielt, was Vergangenheit oder was Zukunft genannt wird. In Prototypes offenbart sich Doireann O’Malley als außergewöhnliche Erzählerin, als risikobereit und als tiefgehend besorgt um die Geschichten anderer. Denen hat sie sich verschrieben. – aus dem Statement der Jury

 

Honorable Mention
Ana Alenso

Ana Alensos beschäftigt sich in ihrer Installation 1.000.000% auf ergreifende Weise mit dem Scheitern und der Ungleichheit des kapitalistischen Systems. Auf die enorme humanitäre Krise ihres Heimatlandes Venezuela blickend, kreiert sie eine starke Installation, die die Komplexität und Absurdität der Krise durch den Materialfluss und die Zerstörungskraft von Kapital und Öl verkörpern. – aus dem Statement der Jury

Fotos: Anastasia Muna, Filmstill: Doireann O’Malley