HELLOOOO

( Programm )

Dienstag, 25. September, 19–21 Uhr
Bodies at Work: Art, Activism, and Sexuality
Presentation, Q&A
Englisch
mit den Künstlerinnen Candice Breitz, Peaches und Melanie Jame Wolf

Wegen unverhorsehbarer Umstände wird diese Veranstaltung leider ausfallen!

Sexualität ist ebenso eine kraftvolle Ausdrucksform wie sie höchst sensibel ist. Ausgehend von der Arbeit drei sehr unterschiedlicher Künstlerinnen soll an diesem Abend eine breite und inklusive Diskussion geführt werden, die sich den empfindlichen und zugleich vielfach zelebrierten Themen Sex, Sexarbeit oder Sexualität in der zeitgenössischen Kulturproduktion widmet.

Ihre jüngsten Videoarbeit TLDR (2017) besetzt die in Berlin lebende Künstlerin Candice Breitz mit Aktivistinnen der Sexarbeit, die Teil des südafrikanischen Netzwerks SWEAT (the Sex Workers Education & Advocacy Taskforce, South Africa / www.sweat.org.za) sind. Breitz regt an, dass feministische Praxis nur dann wirklich transformativ und intersektional sein kann, wenn sie bestrebt ist, Sexarbeit zu entkriminalisieren und zu entstigmatisieren.

Die Musikerin und Performancekünstlerin Peaches erkundet Sexualität in ihrer Rolle als Popfigur. Mutig, aufreizend, feministisch, grenzüberschreitend fordert Peaches uns dazu auf, unsere Körper, Geschlechtsidentitäten, unsere Produktion von Weiblichkeit und den positiven Ausdruck unserer individuellen Sexualität zu feiern.

Melanie Jame Wolf entwickelt in ihrer Auseinandersetzung mit Popkultur und Rollenbildern eine Kritik an den finsteren Ökonomien, die Sex als immaterielles Kapital hervorrufen kann.  In Mira Fuchs, das Teil einer Performance-Trilogie zur Weiblichkeit ist, untersucht Wolf die Widersprüche von Geschlecht, Sexualität und performativer Intimität. Dabei gibt sie auch Einblick in die komplizierte Perspektive, die sie selbst als Tänzerin in einem Stripclub in Melbourne eingenommen hat.

 

Mittwoch, 26. September, 17 Uhr
365 routines

Tanzperformance
mit Nina Kurtela (Nominierte für den Berlin Art Prize 2018)

Mit 365 routines entwickelten die Künstlerin und Tänzerin Nina Kurtela und ihre langjährige Tanzpartnerin Hana Erdman eine Konzeptarbeit, die auf einer einzigen getanzten Phrase basiert: ein kurzes choreografisches Fragment mit Anfang und Ende, acht Schläge lang bei 60 Schlägen pro Minute. Im Laufe eines Jahres schickten sich Kurtela und Erdmann täglich per Handyvideo eine solche Phrase zu. Da beide fast ständig auf Reisen waren, fanden sie sich oft auf verschiedenen Erdhalbkugeln wieder, dabei wurde 365 routines zu einer der wenigen Konstanten in ihrem globalem Leben. Kurtela zeigt die hintereinander geschnittenen Videoaufnahmen von 365 routines in der vierwöchigen Ausstellung des Berlin Art Prize als große Wandprojektion. Während dieser Veranstaltung wird sie die projizierte Choreografie life in der Videoinstallation performen.

 

Donnerstag, 27. September, 19.30 – 21 Uhr
How to breathe in a bubble?
Experimentelles Panel zur Stadtentwicklung
Deutsch
mit Marco Schmitt (Performancekünstler und systemischer Coach),
Martin Schwegmann (Stadtforscher und Atelierbeauftragter des bbk) u.v.m.

“Everything is gentrification now” but Richard Florida isn’t sorry. Die Stadt wird teurer und enger, manche gewinnen daraus, andere verlieren. Marco Schmitt möchte an diesem Abend den sozioökonomischen Komplex von Gentrifizierung am Beispiel von Kreuzberg mit Beteiligten der Kunst, Politik und Bauwirtschaft in einer von ihm entwickelten Methode des COA CHING entwirren. Dabei will er von Betroffenen und Verantwortlichen gleichsam in Erfahrung bringen, welche (moralischen) Handlungsspielräume möglich sind, wenn der urbane Raum von Preisdruck und Knappheit eingeholt wird.

 

Freitag, 28. September, 19 Uhr–sehr spät
Berlin Art Prize Finissage und Party
Preisverleihung um Mitternacht
mit Credit 00, Rugilė, Walter Daniel und Marlene Stark auf Einladung von Superposition

An diesem Abend werden um Mitternacht live und feierlich die drei GewinnerInnen des Berlin Art Prize 2018 bekanntgegeben. In Anwesenheit der Jury werden die eigens für den Anlass kreierten Trophäen an die PreisträgerInnen überreicht. Die in Berlin lebende Künstlerin Zuzanna Czebatul gestaltete sie in Anspielung auf die beliebtesten Eiscremefarben der 1960er Jahre. Im Anschluss an die Verleihung wird das Soundprojekt Superposition zu einer letzten langen Party einladen, bevor der Berlin Art Prize sich für dieses Jahr offiziell wieder verabschiedet.

 

Vergangene Veranstaltungen

Freitag, 31. August, 22–3 Uhr
Berlin Art Prize Party

Nach der Eröffnung der Ausstellung feiern wir gemeinsam die fünfte Ausgabe des Berlin Art Prize mit:

Chloëdees (NTS/UK)
Yoni (Terry Radio/USA)
Ābnamā (REH/DE)
Nai (BCR/DE)

 

Samstag, 8. September, 14–15 Uhr
DIY Stinkbomben
Workshop
Englisch
mit Alanna Lynch (Nominierte für den Berlin Art Prize 2018)

Alanna Lynch wird während dieses Workshops zeigen wie sich aus haushaltsüblichen Materialien und Sonne schwefelbasierte Stinkbomben herstellen lassen. Zusammen mit den TeilnehmerInnen wird sie über den Geruchssinn diskutieren und über das Vermögen von Düften, Raum einzunehmen oder Gefühle hervorzurufen. Es sollten eine Lupe, ein gläserner Behälter mit Deckel und Haare mitgebracht werden.

 

Montag, 10. September, 19–22 Uhr
How Do We Survive Spaces We Were Never Meant To Enter?
Diskussion, Q&A
Englisch
mit Isaiah Lopaz (Künstler/Autor) und Rachael Moore (Aktivistin/Performerin)

Aus dem Gefühl aktueller Dringlichkeit heraus werden Rachael Moore und Isaiah Lopaz eine offene Diskussion über die Herausforderungen und Erfahrungen führen, denen People of Color (POC) bei der Arbeit für Kunst- und Kulturinstitutionen gegenüberstehen: unethische Arbeitsbedingungen, Tokenismus, rassistische Vorurteile und die signifikante Abwesenheit von POC im Publikum und in der Verwaltung von öffentlichen und privaten Institutionen und Organisationen mit dem Schwerpunkt Kunst und Kultur.

 

Mittwoch, 12. September, 18:30–21:30 Uhr
Das gesamte Buch so schön von Ronald Schernikau
Lesung
Deutsch
auf Einladung von Markues (Nominierter für den Berlin Art Prize 2018) zusammen mit Tucké Royale (Performer, Autor) und Jörg Sundermeier vom Verbrecher Verlag

In der Ausstellung des Berlin Art Prize zeigt Markues einen Fallschirm, in den ein Zitat aus und als der prinz mit dem kutscher tanzte waren sie so schön, daß der ganze hof in ohnmacht viel. ein utopischer film von Ronald M. Schernikau eingearbeitet ist. Im Buch heisst es: “dieser film erzählt von vier jungen menschen, die versuchen, ihre liebe zu organisieren. ihr problem ist, daß ihre liebe längst organisiert ist. ihre liebe ist organisiert in ausschließlichkeit, in notwehr und zweisamkeit.” Tucké Royale liest den ganzen, im Verbrecher Verlag erschienenen Text. Drei Stunden Schernikau unter Fallschirmen.

 

Samstag, 15. September, 18–21 Uhr
/Common Wages/Common People/
Lesungen und Konzert
Englisch
mit den AutorInnen Aurelia Guo, Rin Johnson, Alice Miller, Darling Fitch, Hannah Gregory, Susan Finlay, Sarah Harrison und Bianca Heuser in Zusammenarbeit mit Arcadia Missa Publishing, Musik von Paul Arambula

/Common Wages/Common People/ bringt eine Gruppe von AutorInnen zusammen, die alle über verschiedene Textformen und Genres hinweg die Frage eröffnen, welche Bedeutung Gemeinschaft und Gemeingut (Englisch zusammenfassend „Commons”) in einem zeitgenössischen Kontext besitzen. Anstatt die Antwort in einem einfachen „Common Ground” zu suchen, werden sich die AutorInnen der Frage nach den „Commons” von unterschiedlichen Perspektiven aus nähern und dabei über individuelle Erfahrungen oder kulturelle Zusammenhänge nachdenken. Der Abend wird mit einer musikalischen Darbietung von Paul Arambula abschließen.

 

Dienstag, 18. September, 19–20 Uhr
Dreaming Trans-futurism and Reality Now
Talk
Englisch
mit Doireann O’Malley (Nominierte für den Berlin Art Prize 2018), Lou Drago (Autor, Kurator) und Pedro Marum (Kurator, Filmprogrammierer, DJ) von XenoEntitiesNetwork, Elliott Cennetoglu (Lichtgestalter), Pol Merchan (Künstler, Filmemacher), Mateja Hoffman (Fotografin, Stylistin, Performerin)

Regisseurin Doireann O’Malley wird gemeinsam mit den Protagonistinnen und Mitarbeiterinnen von Prototypes über die Methoden, Themen, Erfahrungen und Prozesse dieser komplexen Videoarbeit sprechen, die auch in der Ausstellung des Berlin Art Prize zu sehen ist. Hauptfigur Lou Drago zu Prototypes: „Schon in den ersten Sekunden, wenn eine Stimme aus dem Off die vielartigen Zusammenstellungen von Chromosomen aufzählt, die Menschen besitzen können, ist man mit der Absurdität einer Reduktion von Geschlechtern auf ein binäres System konfrontiert. Einige dieser Konstellationen lassen sich nicht in eine limitierte Männlich-Weiblich-Kategorisierung einordnen. Es wird schnell klar, dass sehr viel dazugehört, möchte man die Komplexität von Geschlecht verstehen”.

 

Donnerstag, 20. September, 19–21 Uhr
MOANEY: A Speculative Proposal for Support Structures
Panel, Diskussion
Englisch
mit Kate Brown (Kodirektorin von Ashley, Redakteurin bei Artnet), Maurin Dietrich (Autorin, Assistenzkuratorin KW Berlin), Cathrin Mayer (Assistenzkuratorin KW Berlin), Penny Rafferty (Autorin, Kuratorin), Chloe Stead (Autorin, Redakteurin, Kunstkritikerin)

Gentrifizierung und sozialer Ausschluss sind in Berlin zur Norm geworden. Der Boom experimentierfreudiger Galerien aus den frühen 1990er Jahren ist vorübergezogen, heute sind viele freie Projekte von damals entweder kommerzialisiert oder – von der wirtschaftlichen Plage befallen – sie mussten ganz schließen. Die Berliner Kunstwelt befindet sich in einer Krise und läuft Gefahr, ihre einzigartige, durch ihre Projekträume formulierte Perspektive und ihre lebendige antagonistische Haltung gegenüber der kulturellen Elite und einer populistischen Politik zu verlieren.

Das Panel zielt darauf ab, dieses Spektakel nicht als Prozess der Trauer um hedonistische Zeiten, sondern als Möglichkeit zum Handeln anzupacken. Rafferty, Mayer und Dietrich werden darin ein Protokoll anlegen, in dem jede Institution, Sammlung und Galerie mitschuldig an dem Zustand der Stadt ist und dazu gezwungen wird, Infrastrukturen der Unterstützung, des Überlebens und der Radikalisierung in der Berliner Kreativszene zu schaffen und zu erhalten. – Penny Rafferty